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Bald geht es los

Mittwoch, 01.08.2012

So, der erste Eintrag in meinem Blog.

Wenn ihr Lust und Laune verspüren solltet ein wenig an meinem Freiwilligendienst teil zu haben, dann könnt ihr ja ab und an hier vorbeischneien. Ich verspreche auch, mir Mühe zu geben den Blog immer aktuell zu halten.

Ich freue mich auf Euch!

Bogotá ist eine andere Welt, tatsächlich?

Freitag, 24.08.2012

Eine Woche ist vergangen, seit das Abenteuer Kolumbien seinen Lauf nahm und hier ist er, der erste "richtige" Blogeintrag.

 

Wie stellt man sich eine Stadt mit über 8 Millionen Einwohnern vor?

Laut, dreckig, überfüllt, lebendig, vielseitig, herausfordernd, vielleicht sogar wichtig, das  waren nur ein paar meiner Intensionen als ich im Flugzeug Richtung Bogotá saß. Wie groß ist so eine Stadt in Wirklichkeit und wie behält man die Übersicht, falls das überhaupt möglich ist? Ich war und bin immer noch ziemlich gespannt was ich alles erleben werde. Und nun möchte ich euch er erzählen wie ich Bogotá bisher tatsächlich erlebt habe...

... nach der Landung bekamen ich relativ schnell mein Gepäck und wurde auch kurz darauf reisepass-technisch "abgestempelt". Als ich und die anderen deutschen Freiwilligen dann den Flughafen verließen, schien ganz Bogotá auf uns zu warten. Vor dem Flughafen war alles voll mit Menschen die "Willkommen-Plakate" in die Luft reckten und wild durcheinander plapperten. Ein wenig später realisierte ich dann dass, das alles nicht nur uns galt.

Schnell kristallisierte sich dann heraus (aufgrund ständigen Rufens unserer Namen) zu welcher Gruppe vor dem Terminal wir uns zugehörig fühlen sollten. Nach einer kleinen Begrüßungsrunde mit der Gastfamilie, bei mir deshalb klein, weil ich "nur" eine Gastmutter mit Freund und eine Gastschwester habe, die aber Anfang September für ein Jahr nach Deutschland geht, machten wir uns sogleich auf den Weg zum Auto. Bei diesem kurzen Weg zu Fuß, bekam ich dann schonmal einen Vorgeschmack auf die Verkehrsituation in Bogotá bzw. das Autofahrer-Fußgänger-Verhältnis. Soll heißen, wer als Fußgänger in Bogotá unterwegs ist, sollte wirlich gut aufpassen und lieber noch zweimal nach rechts und links schauen, bevor er (selbst bei grün) die Straße überquert.

Nach einer verwirrenden Autofahrt durch das nächtliche Bogotá, kamen wir in meinem neuen Zuhause im Norden von Bogotá an, einer ziemlich gut ausgestatteten und großen Wohnung in einem bewachten Wohnkomplex. Wenn man es nicht gesehen hat, kann man sich das fast nicht vorstellen. Ich befinde mich hier quasi in einer mehr oder weniger abgeschotteten kleinen Siedlung, mit Stacheldraht gespickten Zäunen umgeben.

Was auf den ersten Blick ziemlich übertrieben wirkt, ist wahrscheinlich nicht ganz unbegründet, was aber vermutlich auch daran liegt, dass die Wohnungen von außen, im Vergleich schon ziemlich teuer aussehen (also ein willkommenes Ziel).

  Die vom Sonnenuntergang beleuchtete Bergkette im Westen von Bogotá (Blick aus meinem Fenster)

 

Im Grunde ist hier vorallem die "Papaya-Regel" zu beachten, wer sich leichtsinnig verhält, gut sichtbar teueren Schmuck, eine dicke Geldbörse etc. mit sich herum trägt, braucht sich nicht zu wundern, das eine oder andere mal unfreiwillig etwas abgeben zu müssen.

Wer sich an diese einfachen und vernünftigen Regeln hält, lebt hier einigermaßen sicher (nur für den Fall, dass irgendjemand auf die Idee kommen sollte aus Bogotá eine gefährlichere Stadt zu machen als sie tatsächlich ist =) !)

 

Am nächsten Morgen ging es dann direkt weiter in einen kleinen Ort namens La Mesa, aber das ist eine andere Geschichte (vielleicht für den nächsten Blogeintrag)...

Für den Anfang reicht es jetzt erstmal!

Hasta luego, euer Philipp

Die ersten Schritte...

Samstag, 01.09.2012

Nach dem Arrival-Camp, in einer wunderschönen Unterkunft in der Nähe von La Mesa ging es mit dem Bus wieder zurück in das uns noch völlig unbekannte Bogotá...

 

  Unsere Unterkunft in La Mesa  Wolkendecke auf dem Weg nach Bogotá (2600m)

 

Bogotá gleicht mehr einem rießigen pulsierenden Etwas, denn einer Stadt, da es viel zu groß ist um auch nur daran denken zu können den kompletten Überblick zu haben, geschweige denn die Einwohnerzahl, die offiziell bei 6.840.116 liegen soll, genau zu berechnen. So ist die Einteilung der Straßen in Calles (von Ost nach West, nach Norden aufsteigend nummeriert) und Carreras (von Nord nach Süd, nach westen aufsteigend nummeriert) nur ein Tropfen auf den heißen Stein der Orientierungslosigkeit, den selbst vollblut Bogotáner pflegen sich ab und zu auch mal zu verirren.

Das das nicht von ungefähr kommt und auch keine Ausnahme darstellt, lässt sich unschwer an den folgenden Bildern erkennen...

Nichtsdestotrotz ist Bogotá eine vielfältige und wirklich sehenswerte Stadt, die für jeden Geschmack etwas zu bieten hat. Insbesondere das Altstadtviertel "La Candelaria" hat es mir angetan, neben den kleinen Bars, Cafés, Clubs und Strässchen bestimmen vorallem buntbemalte Häuser und die, jedes freie Plätzchen belagernden Menschen das Bild dieses Viertels. Trotz seines offensichtlichen Charms, sind manche Menschen in Bogotá sehr skeptisch ob der Sicherheit, worin aber eher eine Ablehnung anderer Einstellungen zu erkennen sein könnte, da "La Candelaria" schon eher zu einem der "alternativeren" Viertel gehört (um das mal diplomatisch zu formulieren). Dies ist wiederum ein perfektes Beispiel für ein Denkmuster, das vorallem in wohlhabenderen Kreisen verbreitet zu sein scheint: "Was man nicht kennt, will man nicht kennen lernen weil es sowieso gefährlich ist, da es ja unbekannt ist". Dies trägt dann zusätzlich zur sozialen Abgrenzung, anhand der einzelnen Schichten, die sich nach Einkommen und Wohnort richten, noch zu einer Art psychischer Abgrenzung bei, so dass man es nicht einmal in Erwägung zu ziehen scheint etwas Neues kennen lernen zu können.

 

Aller Unterschiede zum Trotz gibt es etwas das die meisten Kolumbianer, gleich welcher Schicht sie sich zugehörig fühlen, zumindest im Grunde vereint.

Wer hätte es gedacht, es ist der Fussball. Wenn man schon nicht Anhänger einer der vielen Vereine in Kolumbien ist, dann aber zumindest der kolumbianischen Nationalmannschaft und das zeigt man dann auch, indem man selbst zu Freundschafts- oder Qualifikationsspielen den ganzen Tag im Trikot, was sich zuzulegen vorallem auch durch die vielen Schwarzhändler auf den Strassen unterstützt wird, herumläuft. Nicht nur Farbe bekennen ist wichtig, auch das eigentliche Fussballspiel darf natürlich nicht verpasst werden, so passiert es nicht selten, dass aufgrund der frühen Anstosszeiten, das Radio zu hilfe genommen wird um immer auf dem laufenden zu sein. Wer gerade kein Radio bei sich hat, wird durch lautes Jubeln, Hupen und Klatschen aus den hinteren Reihen im Bus, vorbeifahrenden Autos oder Pförtnerhäusschen bestens über den Spielstand auf dem laufenden gehalten.

Bis zum nächsten Mal (dann bin ich hoffentlich selbst Besitzer eines Nationaltrikots)!

Euer Philipp

Fussball in all seinen Facetten.

Donnerstag, 04.10.2012

Wie ich in dem vorherigen Eintrag schon berichtet habe, ist der Fussball oder das Fussballfansein, eine der wichtigesten Nebenbeschäftigungen vieler Kolumbianer. Besonders die sogenannten "Classicós" haben in der "Liga Postobon", wie der Name der kolumbianischen Fussballliga lautet (nach einem pappsüßen Softdrink benannt), einen sehr hohen Stellenwert, was nicht nur an den Zuschauerzahlen zu erkennen ist...

...die Atmosphäre im Stadion selbst, ist nämlich das was einem wirklich den Atem raubt!

Aber immer schön der Reihe nach, eher zufällig, ca. 3 Tage zuvor kamen ein Freund und ich auf das Spiel zu sprechen und dass er vorhabe mit seinem Gastcousin ins Stadion zu gehen, die Gelegenheit lies ich mir natürlich nicht nehmen und fragte ob ich mitkönne.

So kam es dann, dass wir drei uns ungefähr eine Stunde vor Spielbeginn vor dem Stadion "El Campin" in Bogotá trafen, um dem Classicó "Millionarios vs. Santa Fé" beizuwohnen.

Vor dem Stadion herrschte auch schon ein reges Treiben, durch welches wir uns den Weg zu unserem Eingang bahnen mussten, nur um dann festzustellen, dass das Tragen von Gürteln aus sicherheitstechnischen Gründen im Stadion nicht gestattet ist. Lasst mich nur so viel sagen: "Gringo" zu sein bietet manchmal auch gewisse Vorteile. Nachdem die Sicherheitsbeamten uns entnervt MIT unseren Gürteln durchgewunken hatten, ging es nach oben unters Dach. Die Sitzplatzangaben auf den Karten stellten sich allerdings als ein wenig nutzlos heraus, angesichts der Tatsache, dass jeder dort saß oder stand wo er eben sitzen bzw. stehen  wollte.

Nachdem die Stimmung durch Fangesänge und diverse Schmähungen der gegnerischen Fans (die ich hier nicht näher ausführen werde) erheblich angeheizt war, betraten endlich die beiden Mannschaften den Rasen, der weitere Verlauf lässt sich anhand der Bilder besser darstellen...

            

 

 

Falls das Video nicht funktioniert, hier nochmal der Link:

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=r-GwKsKQYqk

 

Was man mit den Bildern leider nicht vermitteln kann, ist das Gänsehautgefühl, das aufkommt wenn die komplette Fankurve zu "Una vez más" anfängt zu springen und es einem Wunder gleichkommt, dass die Ränge nicht einfach in sich zusammenstürzen.

Alles in allem kein schönes Spiel, wurde aber dem, was man im Fussballjargon als "Derbycharakter" bezeichnet mit 4 roten, 8 gelben Karten und dem Siegtor in der 92. Minute, mehr als gerecht.

Von Vaqueros und umgedrehten Kühen

Mittwoch, 24.10.2012

Bei aller Liebe zu Bogotá und auch der Kenntniss einiger wirklich schöner Orte, muss man ehrlich sagen das Bogotá eine ziemliche dreckige bzw. verdreckte Stadt ist. Zudem herrscht im Moment Regenzeit, was das ohnehin recht kühle Klima nicht gerade erträglicher macht. Also fassten ich und 3 Freunde den Entschluss, eines der nicht allzu seltenen langen Wochenenden zu nutzen um auf eine kleine Reise zu gehn.

Die Entscheidung viel auf Villavicencio, der Hauptstadt des Departamentos Meta, was ca. 3-4 Autostunden südöstlich von Bogotá liegt. Da dort werden jedes Jahr im Oktober die Weltmeisterschaften im Coleo ausgetragen, Ziel dabei ist es im vorbeireiten, einen Stier am Schwanz zu packen und zu versuchen ihn beim Überholen auf den Rücken zu drehen.

So machten wir uns früh morgens in einem kleinen Bus auf den Weg.

Begleitet von Salsa und Vallenato Klängen und einigen Stops um noch ein paar Pasagiere auf den Beifahrersitz des Buses zu quetschen oder uns bei einer Polizeikontrolle auszuweisen, konnten wir beobachten wie sich die Natur um uns herum immer mehr veränderte. Gleichzeitig wurde der Fahrtwind durch das geöffnete Fenster immer unerlässlicher, was bei uns allein schon für eine Art Hochgefühl sorgte. Die Fahrt an den Hängen der Anden herab zog sich jedoch immer weiter hin und die zunehmende Hitze machte einen zusätzlich schläfrig...

Nachdem wir atembreaubende Talhänge entlang gefahren waren und einige Wolkendecken durchquert hatten, durchfuhren wir noch etliche Tunnel und urplötzlich öffnete sich die Sicht auf eine rießige weite Ebene, nun lagen die Anden hinter uns. Kurze Zeit später hielten wir am Busterminal von Villavicencio, wo wir uns endlich die Beine vertreten konnten und nachdem wir uns die erste Ladung Sonnencréme gegönnt hatten, machten wir uns auch schon mit dem Taxi auf ins Stadtzentrum.

Einige Anrufe, bei diversen "Couchsurfern" und Planänderungen später war dann, zumindest vorläufig, die Unterbringung geklärt und ein wenig später befanden wir uns in einem rießigen Pickup (so etwas kommt eben vor beim Couchsurfen) und auf dem Weg zum oben schon erwähnten Coleo-Festival.

Dort verbrachten wir dann einige Zeit damit, in der brütenden Hitze Bier und Aguardiente (das inofizielle Nationalgetränk Kolumbiens) zu trinken und den Stieren beim umgeworfen werden zuzusehen, es war gerade ca. 11 Uhr am Vormittag wohlgemerkt. Es mag sich vielleicht nicht übermäßig spannend anhören, war in Wirklichkeit jedoch ziemlich amüsant, wenn man bedenkt, dass wir eine halbe Stunde vorher noch im Zentrum Villavicencios unter einem Baum im Schatten gesessen hatten und darüber nachgedacht hatten, ob es besser wäre zu warten, bis die Touristeninformation öffnet oder die Umgebung auf eigene Faust zu erkunden. Dies ist nur ein Beispiel dafür, was einem in Kolumbien wirklich oft passieren kann, nämlich, ganz plötzlich und ohne auch nur erahnen zu können wie einem geschieht, in die verrücktesten Geschichten zu geraten.

Nach der Ankunft in unserem Hostel und dem ersten Kennenlernen unserer Mitbewohner, war dann erstmal Enspannen angesagt. Nachdem obligatorischen nachmittäglichen Regenfall war dann auch die größte Hitze vorbei und konnte man es wieder auf der Terasse aushalten, woraufhin wir dann zu Abend aßen. Danach und noch ein paar Bierchen später, ging es in eine Bar und wurde noch eine relativ lange Nacht...

 

Den Sonntag darauf verbrachten wir, wie viele andere in Villavicencio, mit einigen Leuten aus dem Hostel, an einem der zahlreichen Flüsse in der näheren Umgebung. Hier gab es wirklich alles, angefangen mit Seilen mit denen man über den Fluss schwingen konnte bis hin zu Klippen, die von 1-2 Metern bis zu 12 Meter hoch waren. Von dem ganzen Schwimmen, Springen, Schaukeln etc. waren wir ganz schön hungrig geworden und so aßen und tranken wir in einem nahegelegenen Restaurant erstmal eine Kleinigkeit. Nun wurde es erst richtig spannend, da wir versuchten mit dem Taxi in das nächste Dorf zu fahren, um von dort den Bus zu nehmen.

Nachdem wir vergeblich versucht hatten ein Taxi zu finden und alle die vorbei fuhren bereits besetzt waren wollten wir uns eines rufen. Da wir aber alle keine Nummer eines Taxidienstes kannten, mussten wir uns von einer Freundin aus dem Hostel eines rufen lassen, der Taxifahrer wusste dann allerdings nicht wo genau wir uns befanden und wurde so von unserer Freundin mit dem Motorroller zu uns eskortiert. Wir saßen derweil am Straßenrand und mussten, sehr zu unserer Freude etlichen Taxis, welche uns so da sitzen gesehen hatten, eine Absage erteilen. Wir waren ziemlich erleichtert als dann endlich das eskortierte Taxi ankam und wir uns 10 Minuten später völlig erschöpft in den  Bus setzen konnten.

Am Abend als ich geduscht und frisch auf der Terasse in der Hängematte saß, mir die, bei der abendlichen Hitze angenehme Brise ins Gesicht wehen lies und den Salsaklängen aus den Fenstern des Hostels lauschte, da dachte ich mir "so könnte es für immer bleiben".

Wenn man solche Reisen unternimmt kommen einem Gedanken in den Sinn die man im teilweise hektischen und lärmenden Bogotá gar nicht bemerken würde, vor lauter verschiedener Eindrücke, die ständig auf einen einstürmen.Und genau das macht das Reisen dann so besonders, man lernt nicht nur die anderen Seiten Kolumbiens, sondern auch eine andere Art von Lebensgefühl kennen und man hat das Gefühl der kolumbianischen Lebensart ein Stück näher gekommen zu sein.

Liebe Grüße y que todo esten bien, euer Philipp

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